14.03.2002

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Kommentar von Wilfried Schmickler

Alles dreht sich um die Liste, um die so genannte Biciste-Liste, jene ominöse "Liste der Schande" mit den 42 Namen, die in der Kölner SPD keiner kennt, keiner je gekannt hat und - sofern sie denn bekannt werden - keiner jemals kennen wird. Von gnadenlosen Korruptionspolizisten gejagt, ins gleißende Licht der Öffentlichkeit gezerrt und für immer und ewig ausgestoßen aus der Gemeinschaft der Rechtsgläubigen. Selten war ein Listenplatz in der SPD so wenig begehrt wie in diesem Fall.

Aber eins steht fest: wer drauf steht, kommt dran! Und deshalb müssen zurzeit 109 Kölner Genossen zum Durchleuchten. Bis nächste Woche Dienstag haben die bedauernswerten SPD-Mandatsträger Zeit, schriftlich zu erklären, ob, und wenn ja, wie sie in den Kölner Spendenskandal verstrickt sind.

Das ganze nennt sich dann "Ehrenerklärung" und dient, laut SPD-Schatzmeister Martin Börschel, dazu, "die Kölner SPD vom Generalverdacht rein zu waschen". Da kann ich nur sagen: Vorsicht! Spätestens seit Barschel weiß man, wo das Reinwaschen qua Ehrenerklärung endet: in der Badewanne. Und deshalb verwundert es auch nicht, dass sich bislang keiner der 42 Aufgelisteten freiwillig den schonungslosen Aufklärern gestellt hat.

Obwohl - einer hat's getan: der Landtagsabgeordnete Marc Jan Eumann. Der hat bislang als einziger zugegeben, von Norbert Rüther eine Spendenquittung erhalten zu haben. Und zwar, wie er selber sagt, für "tatsächlich erbrachte Sachleistungen".

Wie hoch allerdings die Summe genau war, um die der Marc Jan das Finanzamt geprellt hat, und wie die "tatsächlich erbrachten Sachleistungen" in Wirklichkeit aussahen, darüber schweigt der Hinterzieher. Hat er jetzt dem Rüther das Badezimmer gekachelt oder der SPD den einen oder anderen Teppich verlegt? Man weiß es nicht. Das einzige, was man weiß, ist, dass der Genosse Eumann sich missbraucht fühlt, als "Trojanisches Pferd von Norbert Rüther".

Nun war das mit dem berühmten trojanischen Gaul ja bekanntlich ein besonders hinterhältiger Trick der alten Griechen, um sich in die Stadt Troja einzuschleichen und diese dann von innen aufzumischen. Und da stellt sich dann im Zusammenhang mit Marc Jan Eumann natürlich die Frage nach Ross und Reiter. War der dicke Rüther jetzt in dem Pferd drin oder hat er einfach knackfrech drauf gesessen? Und wo lag in diesem Fall Troja? In Viersen? Im Finanzamt? Oder am Ende doch nur auf dem Privatkonto von Genosse Eumann? Und welcher Teufel hat den Eumann geritten, freiwillig das Pferd zu machen für einen Rosstäuscher wie Norbert Rüther? Oder hat den Marc Jan einfach nur ein Pferd getreten?

Nein, als Kölner hat man es zurzeit nicht leicht. Da ist man schon ganz, ganz unten und dann muss man sich auch noch vergackeiern lassen. Kleiner Trost von mir als Leverkusener und Mitglied von Fortuna Köln: Man gewöhnt sich an alles!

Der Kabarettist WILFRIED SCHMICKLER ist Kolumnist der taz köln.

 


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