In Deutschland bemühen sich die
unterschiedlichsten Gruppen aus dem radikalen Spektrum des Islam um
Einfluss unter den Muslimen.
Die Islamische Gemeinschaft - Milli
Görüs (IGMG) ist die größte Organisation des politischen Islam
in Deutschland. Sie ist der europäische Ableger des türkischen
Islamisten-Führers Necmettin Erbakan. Milli Görüs propagiert ein antisäkulares,
antizionistisches und antisemitisches Weltbild. Die IGMG unterhält
gute Beziehungen zu Vertretern der CDU und setzt bei der Verfolgung
ihrer politischen Ziele vor allem auf die Erringung der kulturellen
Hegemonie. Finanziell unterstützt wird sie von islamischen Holdings.
Nach eigenen Angaben verfügt die IGMG europaweit über 82.137
Mitglieder, organisiert in 511 Moscheevereinen, Jugend-,
Universitäts- und Frauengruppen. Funktionäre der IGMG
unterhalten Verbindungen zur multinationalen Muslimbruderschaft,
der palästinensischen Hamas, zu Scientology und zum libyschen
Revolutionsführer Gaddafi.
Der Verband der islamischen Vereine
und Gemeinden (ICCB) ist eine radikal-islamistische Vereinigung türkischer
Sunniten mit derzeit rund 1.100 Mitglieder. Er wurde 1983 von
Cemaleddin Kaplan ("Chomeini von Köln") als radikale
Abspaltung von Milli Görüs gegründet. Kaplan (gest. 1995) rief zum Glaubenskrieg
gegen die Türkei auf. Im Streit um die Nachfolge sprach der Sohn,
Metin Kaplan, gegen den Berliner Arzt Halil Ibrahim Sofu eine Todes-Fatwa
aus. 1997 wurde Sofu von einem Killerkommando ermordet. Kaplan
wurde im letzten Jahr zu vier Jahren Haft verurteilt. Im Oktober 1998,
zum 75. Jahrestag der Gründung der Republik Türkei, hatten etwa 30
Kaplan-Anhänger geplant, sich mit einem Flugzeug auf das Atatürk-Mausoleum
in Ankara zu stürzen.
Die Islami Haraket (Islamische
Bewegung) hat sich 1989 von der ICCB abgespaltet. Sie gilt als
deutscher Ableger der türkisch-sunnitischen Terrororganisation
Hizbullah, die für zahlreiche Morde in Südostanatolien
verantwortlich ist. Die Organisation hat in Deutschland rund 300
Mitglieder. Sie agitiert gegen die "kapitalistischen und
zionistischen Teufel" und glorifiziert das Märtyrertum.
Der Verband der islamischen
Kulturzentren (VIKZ) mit Sitz in Köln hat rund 20.000
Vereinsmitglieder. Die VIKZ betreibt 315 Moscheevereine in
Deutschland. Nach langen Jahren der Distanz zur deutschen Gesellschaft
öffnete sich der VIKZ zwischen 1993 und 2000. Auf Anweisung des
aktuellen Führers Ahmet Arif Denizoglu, einem ehemaligen Abgeordneten
der türkischen Refah-Partei, wurde der Dialog vor einem Jahr
abgebrochen. Im August 2000 trat der VIKZ aus dem Zentralrat
der Muslime aus.
Auf 20.000 Personen wird in Deutschland
die Anhängerschaft von Fethullah Gülen geschätzt. Gülen ist
charismatischer Führer der so genannten Nurculuk-Bewegung (Schüler
des göttlichen Lichts). Die Bewegung geht auf Said Nursi
(1876-1960) zurück, einem entschiedenen Gegner des türkischen
Laizismus. Gülen, der lange als Vertreter eines moderaten Islam galt,
hat sich inzwischen als Stratege einer islamistischen
Unterwanderung des türkischen Staates entpuppt. Um einer
Verhaftung zu entgehen, hat er sich im März 1999 in die USA
abgesetzt. Gülen herrscht über 200 Stiftungen in 54 Ländern, rund
200 Privatschulen und 500 Studentenheime und findet seine Anhänger
vor allem unter Intellektuellen.
Etwa 400 Anhänger der algerischen Islamischen
Heilsfront (FIS), der Bewaffneten Islamischen Gruppe (GIA) und
der 1996 in Algerien gegründeten Salafistischen Gruppe für die
Verkündigung und den Kampf (GSPC) leben in Deutschland. Sie
unterhalten Verbindung zur Mudschaheddin-Bewegung von Ussama Bin
Laden. Im Dezember 2000 und Anfang 2001 wurden in Frankfurt am Main
Anhänger der GSPC verhaftet. Ihnen wird vorgeworfen, Anschläge in
Straßburg vorbereitet zu haben.
Die Jihad Islami (Islamischer
heiliger Krieg) ist eine ägyptische Terrororganisation.
Mitglieder und Funktionäre nutzen Deutschland als Rückzugs- und
Ruheraum.
Der Islamische Bund Palästina (IFB)
wurde 1981 in München gegründet und unterhält in Berlin ein
islamisches Kultur- und Erziehungszentrum als zentrale Begegnungsstätte.
Der IFB ist der palästinensische Zweig der sunnitischen
Muslimbruderschaft und gilt als Sammelbecken der Hamas-Anhänger in
Deutschland. Die rund 250 Mitglieder rufen zu antiisraelischen
Demonstrationen und Spendensammlungen auf. Spendenverein der Hamas ist
der Al-Aqsa e.V. in Aachen. Verbindungen der Hamas bestehen zu türkischen
Islamisten, vor allem zu Milli Görüs.
Die schiitische Hizb Allah (Partei
Gottes) wurde 1982 im Libanon als radikal-islamistische
Bewegung gegründet. Ziel ist ein islamischer Staat nach
iranischem Vorbild. Sie propagiert als wichtigste Waffe im Kampf gegen
den Zionismus Selbstmordoperationen. In Deutschland beschränkt sie
sich auf ideologische Schulungen und antiisraelische Demonstrationen.
Die arabischen Panislamisten der
Hizb-ut-Tahrir (Partei der Befreiung) propagiert den Kampf der
muslimischen Weltgemeinde (Ummah) vor allem gegen Israel und die USA.
Die Hizb-ut-Tahrir ist in Deutschland vor allem an Unis aktiv.
Die Pasban-e Khatm-e nabuwwat (PKN)
ist eine radikal-islamistische Strömung aus Pakistan. Seit 1998 ist
die PKN auch in Baden-Württemberg aktiv. Dort terrorisiert sie vor
allem Mitglieder der angeblich vom "wahren Glauben
abweichenden" pakistanischen Gruppierung der Ahmaddiya. Ihr
Zentrum ist in Heilbronn der Verein "Vorposten der Khatme
Nabuwwat". Bei Auflösung des Vereins fällt das Vereinsvermögen
Milli Görüs zu.
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