17.09.2001

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taz

*   Noch keine Spur zu Bin Laden
Von Pascal Beucker

Bundesanwaltschaft hat noch keine Hinweise, dass die drei vermutlichen Attentäter aus Deutschland im Auftrag des von den USA gesuchten Islamisten handelten.

Bislang gibt es keine erkennbaren Verbindungen der drei mutmaßlichen Selbstmordattentäter, die zeitweilig in Hamburg lebten, zu dem gesuchten Ussama Bin Laden. Das teilte Generalbundesanwalt Kay Nehm am Wochenende mit. Auch über mögliche Beziehungen zu einer im Dezember vorigen Jahres aufgeflogenen islamistischen Gruppe, die einen Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt geplant haben soll, lägen zur Zeit keine Erkenntnisse vor. Nehm geht allerdings davon aus, dass die drei bei den Anschlägen ums Leben gekommenen Männer einem islamisch-fundamentalistischen Netzwerk angehörten.

Bei den drei Selbstmordattentätern handelt es sich laut Nehm um den 33-jährigen gebürtigen Ägypter Mohammed Atta, den 23-jährigen Marwan al-Schedi aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und den 26-jährigen Libanesen Ziad Samir Jarrah. Alle drei studierten an der Technischen Uni Hamburg-Harburg. Atta soll an Bord der ersten Maschine gewesen sein, die den Nordturm des World Trade Center in New York traf, al-Schedi im zweiten Flugzeug, das in den Südturm raste. Jarrah habe in der Maschine gesessen, die in Pennsylvania abstürzte.

Marwan al-Schedi wohnte vor Beginn seines Hamburger Studiums 1996 einige Monate in Bonn. Ziad Samir Jarrah lebte zunächst von 1995 bis 1997 in Greifswald, zog dann nach Hamburg, wohnte jedoch auch eine zeitlang bei seiner Freundin in Bochum. Sie hatte Jarrah nach den Terrorakten als vermisst gemeldet. Er war im Juni 2000 in die USA geflogen und soll dort in Venice und in Miami Flugunterricht genommen haben. Bei der Durchsuchung der Wohnung der Freundin und einer weiteren Bochumer Unterkunft fanden die Fahnder einen von Jarrah zurückgelassenen Koffer mit "flugzeugbezogenen Unterlagen". Es gebe jedoch keine Hinweise auf eine terroristische Zelle in Bochum, so Nehm.

NRW-Innenminister Fritz Behrens (SPD) will nach bisherigem Erkenntnisstand nicht ausschließen, "dass an den in den USA verübten Anschlägen Terroristen beteiligt waren, die sich früher auch in Nordrhein-Westfalen aufgehalten haben". Die im Visier des Verfassungsschutzes stehenden Personen hätten aber keine Anhaltspunkte für strafbares Verhalten geliefert.

Laut Nehm sind seit Donnerstag neben den zwei in Bochum auch zwölf Wohnungen in Hamburg durchsucht worden. Dabei seien jedoch "keine wesentlichen Beweismittel" gefunden worden. Es sei allerdings mit weiteren "exekutiven Maßnahmen" zu rechnen. Die Ermittlungen würden sich "mit Sicherheit sehr schwierig gestalten", weil die drei Selbstmordattentäter in der Bundesrepublik "nicht aufgefallen" seien. Ein vierter Verdächtiger, der den Behörden namentlich bekannt ist, habe sich vor den Anschlägen ins Ausland abgesetzt, sagte Nehm. Gegen den Mann, bei dem es sich laut Presseberichten um den 26-jährigen Deutschen marokkanischer Herkunft, Said B., handeln soll, und weitere unbekannte Personen ermittelt das Bundeskriminalamt wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Mord und Angriff auf den Flugverkehr.



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